Negative Gedanken stoppen

Wetten, dass Sie negative Gedanken stoppen können? Kennen Sie die Studie mit dem weißen Bären? Bestimmt hat auch schon einmal jemand in Ihrer Nähe das „psychologische“ Experiment bemüht und hat Ihnen gesagt, Sie sollen einmal nicht an einen rosa Elefanten denken. Anschließend war dieser Jemand ganz aufgeregt, dass Sie jetzt doch an diesen albernen Elefanten gedacht haben. Nun, in der Originalstudie ging es um einen weißen Bären. Und diese Studie hilft uns negative Gedanken zu stoppen. Lesezeit: 2 1/2 Minuten
(die-selbsthypnose.de » Rat & Tat » Negative Gedanken stoppen)

Negative Gedanken stoppen

Nicht an etwas denken zu wollen ist ungünstig, um es loszuwerden. Schon 1994 führte Daniel Wegner (Sozialpsychologe, Harvard University) einige Experimente[1] dazu durch. Im Folgenden schuf er den Begriff „Ironische Prozesse“.

Zudem ist Wegner der Vater des Weißbäreneffekts. Denn dieser Effekt ist nach der Hauptfigur seiner Experimente benannt. Dabei ging es um einen weißen Bären.

Die Versuchsleiter forderten ihre Teilnehmer auf fünf Minuten lang nicht an einen weißen Bären zu denken. Während dieser fünf Minuten sollten sie immer wieder notieren ob sie doch an diesen Bären dachten. Einer anderen Gruppe von Teilnehmern wurde aufgefordert an einen weißen Bären zu denken. Auch diese Gruppe sollte notieren wie oft sie an einen weißen Bären dachten.

Anschließend wurden die Häufigkeiten der beiden Gruppen verglichen. Es zeigte sich, dass die Nicht-Gruppe häufiger an den Bären dachte als die andere Gruppe.

Wegner schloss daraus, dass durch die Unterdrückung des Gedankens ein ironischer Prozess in Gang gesetzt wird. Dadurch schenkt unser Hirn dem Gedanken noch mehr Aufmerksamkeit. Die Folge ist, wir denken noch öfter an das, woran wir nicht denken möchten. Beispielsweise möchte Jemand aufhören zu rauchen. Daher glaubt er nicht mehr an Zigaretten denken zu dürfen. Was dazu führt, dass er jetzt noch mehr an das unliebsame Rauchen denkt. Negative Gedanken stoppen geht anders.

Negative Gedanken unterdrücken und die Motivation

Aufgrund der Erkenntnisse von Wegner wurden weitere Studien durchgeführt. Eine davon beschäftigt sich mit der Motivation. Dabei wurde untersucht welche Rolle die Motivation bei ironischen Prozessen spielt.

Jens Förster (Universität Würzburg) und Nira Liberman (University Bloomington)[2] führten diese Studie durch. Auch hierbei wurden die Probanden gebeten fünf Minuten lang nicht an einen weißen Bären zu denken. Und während des Experiments zu notieren, wann sie an den Bären denken. Zuvor bekamen sie allerdings verschiedene Anweisungen.

Dieser Artikel könnte Sie auch interessieren.

Bevor die Teilnehmer mit dem Experiment starteten wurden zwei verschiedene Informationen gegeben. Sie betrafen die Motivation während ironischer Prozesse.

Der einen Gruppe wurde folgendes gesagt:
[A] „Wenn Menschen während der Unterdrückung des Gedankens doch daran denken bedeutet das, dass Sie hoch motiviert sind daran zu denken.“

Die andere Gruppe bekam die eine andere Information:
[B] „Wenn Menschen während der Unterdrückung des Gedankens doch daran denken bedeutet das, dass Sie wenig motiviert sind daran zu denken.“

Mit der Einstellung lassen sich negative Gedanken stoppen

Bei der Auswertung der Ergebnisse zeigte sich, dass die [A]-Gruppe deutlich häufiger an den Bären dachte. Die [B]-Gruppe war ja ebenfalls aufgefordert worden nicht an den Bären zu denken. Trotzdem spielte er bei diesen Teilnehmern keine große Rolle. Der ironische Prozess wurde stark gemindert.

Die Forscher schlossen daraus, dass die innere Einstellung zu dem Verhalten den Ausschlag gibt. Durch die Anweisungen vor dem Experiment wurden die Teilnehmer in verschiedene Stimmungen gebracht. Die eine Gruppe glaubte es sei negativ trotzdem an den Bären zu denken. Demgegenüber glaubte die zweite Gruppe es sei in Ordnung an den Bären zu denken.

Durch Anweisung [A] wurde offenbar zusätzlich Druck aufgebaut. Daraus entwickelte sich dann eine kleine Panikreaktion im Gehirn. Infolgedessen versucht das Gehirn jetzt den Gedanken noch mehr zu unterdrücken. Er bekommt dadurch allerdings nur noch mehr Aufmerksamkeit. Die Folge ist das Gegenteil von dem, was gewünscht war.

Negative Gedanken stoppen – Ohne Druck

Auch bei der Arbeit mit meinen Klienten stelle ich diesen Zusammenhang fest. Es soll ein unerwünschtes Verhalten abgestellt werden. Dann ist das Erste was dem Klienten einfällt, sich den

Gedanken daran zu verbieten. Dabei führt dieses Vorgehen zum genauen Gegenteil. Im Folgenden wird erst recht an das unerwünschte Verhalten gedacht.

Im Coaching arbeiten wir dann zunächst einmal daran den Druck wegzunehmen. Wenn klar wird, dass es völlig normal ist an das zu denken, was man ändern möchte, wird es einfach loszulassen.

Wie in der Studie von Förster und Liberman deutlich wird, ist es wichtig die negativen Gedanken zuzulassen. Machen Sie sich klar, dass es natürlich und sogar notwendig ist daran zu denken. Dadurch erreichen Sie Gelassenheit gegenüber den negativen Gedanken. Das führt dazu, dass Ihr Gehirn eben diese Gedanken leichter loslässt. Die Grübelei endet.

Druck ist immer ein schlechtes Mittel. Und unser Unterbewusstsein mag das gar nicht. Bauen Sie den Druck ab, indem Sie die Gedanken kommen und GEHEN lassen. Wenn Sie einen Gedanken unterdrücken wollen, kommt er mit Gewalt zurück.

Ändern Sie Ihre Einstellung gegenüber den negativen Gedanken. Lassen Sie sie zu, dann gehen sie auch von alleine wieder. Ihr Unbewusstes sorgt dafür.

Negative Gedanken stoppen, indem Sie Ihre Einstellung ändern

…oder denken Sie doch einfach an den weißen Bären 😉

 

Interessantes aus dem Netz
[1] Psychol Rev. 1994 Jan. 101 (1): 34-52, Ironische Prozesse der geistigen Kontrolle, Wegner DM 1
[2] The Role of Attribution of Motivation in Producing
Postsuppressional Rebound, J. Förster – Würzburg, N. Liberman – Bloomington

Ein Gedanke zu „Negative Gedanken stoppen

  • Februar 21, 2018 um 7:52 am
    Permalink

    Wenn man das hier so liest, hört es sich einfach an.

Kommentare sind geschlossen.