Prüfungsangst – Richtiges Zusammenfassen (Teil 3)

Im vorangegangen Teil unserer Reihe mit Lerntipps ging es um das richtige Lesen eines Sachtextes. Viele Lernende nutzen beim Durcharbeiten eines Textes farbige Markierungen. Das diese Vorgehensweise oft das Gegenteil von dem bewirkt, was es soll, haben wir im letzten Tipp gezeigt. In diesem Tipp geht es nun darum den nächsten Schritt nach dem Durchlesen des Textes zu tun. Prüfungsangst – Richtiges Zusammenfassen
Wie gehen Sie vor?

Warten steigert die Kreativität!

Vielleicht gehören (gehörten 😉 ) Sie ja auch zu den Lernenden, die mit Markierungen arbeiten. Im Anschluss an das Durchlesen wird häufig aus den markierten Stellen eine Zusammenfassung geschrieben. Häufig geschieht das am Laptop. Viele meiner Klienten berichten mir ganz fröhlich, dass sie die Zusammenfassung am Rechner ruckzuck geschrieben haben. Sie wollen diesen Geschwindigkeitsvorteil nutzen. Und nach dem Tippen wird diese Zusammenfassung fein abgespeichert… auf dem Rechner.

Machen Sie das auch so?

Hoffentlich nicht!

Schauen wir uns dieses Vorgehen mal genauer an und optimieren es ein wenig.

Sollten Sie im Vorfeld mit Markierungen gearbeitet haben und daraus eine Zusammenfassung schreiben, haben wir schon Raum für die erste Optimierung. In dieser Zusammenfassung steht dann nämlich wieder nur das, was Sie vorher schon wussten.

Also besorgen Sie sich schnellstens ein neues Buch, einen neuen unbefleckten Text, lesen diesen und machen daraus eine Zusammenfassung.

Und wann schreiben Sie dieses Resümee?

Die meisten Menschen fassen den durchgearbeiteten Text direkt im Anschluss zusammen. Auch hier können wir uns eine weitere Möglichkeit zur Vertiefung des Gelernten verschaffen, wenn wir es ein klein wenig anders machen.

Warten Sie mit dem Schreiben ein bis zwei Tage.

In Studien konnte gezeigt werden, dass unser Hirn unerledigte Aufgaben im Hintergrund weiterbearbeitet. Dadurch werden ebenfalls neue Verknüpfungen aktiviert und andere Zusammenhänge hergestellt (Zeigarnick-EffektDer Zeigarnick-Effekt (genaugenommen: Seigarnick-Effekt) beschreibt den psychologischen Vorgang, dass ein...). Vielleicht ist Ihnen auch schon mal aufgefallen, dass Sie bei einem Problem, in das Sie sich verbissen hatten, nach einiger Zeit Ruhe, plötzlich auf die Lösung kamen. Diese Lösung ist Ihnen eben NICHT plötzlich eingefallen. Ihr Hirn hat sich im Hintergrund mit dem Problem beschäftigt. Es hat viel mehr Ressourcen zur Verfügung. Die Kreativität wird gesteigert.

Prüfungsangst – Richtiges Zusammenfassen

Lassen Sie das neu gelernte Thema einige Tage „reifen“. Schreiben Sie Ihre Zusammenfassung nach diesem Reifungsprozess und Sie werden überrascht sein, was Ihnen alles einfällt.
Wenn Sie auch noch mit einer Tastatur schreiben, verschenken Sie eine weitere Möglichkeit sich Neues zu erschließen. Auf einer Tastatur zu schreiben ist kein kreativer Vorgang. Die Tasten sind alle gleich. Wenn Sie mit zehn Fingern schreiben, sehen Sie nicht mal mehr die verschiedenen Buchstaben auf den Tasten. Die Worte, die Sätze und Formulierungen stehen in keinem weiteren Zusammenhang. Sie werden eingegeben. Oftmals ist das wörtlich zu verstehen. Sie werden EINgegeben und sind anschließend aus unserem Hirn verschwunden.

Beim Schreiben mit einem Stift auf Papier passiert etwas Anderes. Sie zeichnen jeden einzelnen Buchstaben. Bei jedem Buchstaben sind andere Bewegungen notwendig. Das Bewegungshirn spielt mit. Dadurch sind die Inhalte jetzt nachhaltig verknüpft. Und Sie formulieren völlig anders. Die Schriftsprache ist eine andere als die Tastatursprache. Lesen Sie sich einmal einige Emails durch. Solche Texte verfasst kein Mensch in einem handgeschriebenen Brief. Durch die anderen Worte, werden in Ihrem Hirn wieder andere Verknüpfungen aktiviert. Sie kommen beim Schreiben auf neue Ideen.

Das ist kreativ.

Sie entwickeln den Stoff.

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