Nocebo-Effekt – Der Glaube versetzt Berge

Nocebo-Effekt an einem drastischen Beispiel – Der Glaube versetzt Berge! Kennen Sie diesen Spruch aus der Bibel? Der Glaube versetzt offensichtlich nicht nur Berge. Er kann auch Berge erschaffen, im übertragenen Sinne. In der Fachzeitschrift „General Hospital Psychiatry“ wurde 2007 der Fall eines jungen Mannes veröffentlicht, der einen solchen Berg erschuf und sich damit beinahe ums Leben gebracht hätte.
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Geist über Körper

Eine Suizid-Absicht ist eine ernsthafte Sache. Und jeder, der sich mit einer solchen Absicht trägt sollte SOFORT Kontakt zu einem Therapeuten aufnehmen und sich Hilfe holen. Das gleiche gilt für Angehörige und Freunde, die bei einem nahe stehenden Menschen eine solche Absicht erkennen.

In unserem Artikel geht es, Gott sei Dank, auch nicht um den Suizidversuch selbst, sondern um die Umstände. Und aus diesen Umständen lässt sich viel lernen. Daraus lässt sich sogar viel Positives lernen.

Ja, Sie haben richtig gelesen, wir können aus der Geschichte des jungen Mannes etwas sehr Positives für uns mitnehmen. Sie zeigt nämlich die enorme Kraft unseres Geistes. Sie zeigt welche enorme Macht unser Hirn über den Körper hat.

Psychologische Studien sind eine prima Quelle, um Tipps für die Selbstbeeinflussung zu bekommen. Sie sind manchmal erheiternd und manchmal (positiv) erschreckend. Und sie sind sind immer sehr informativ. Viel Spaß beim schmökern.

Die Geschichte von D. Adams

Besagter junger Mann hatte also die erklärte Absicht sich das Leben zu nehmen. Das ist keine besonders positive Entscheidung. Und um es gleich vorweg zu nehmen, unsere kleine Geschichte endet positiv.

Wenn jemand eine so schwerwiegende Entscheidung trifft, hat er meist einen triftigen Grund. So ging es auch unserem Protagonisten. Seine Freundin hatte sich überraschend von ihm getrennt. Daher ging es ihm sehr schlecht. Denn mit dieser psychischen Belastung ist er so überhaupt nicht zurechtgekommen.

Daher Er entschied sich, dass es das Beste wäre aus dem Leben zu scheiden. Er hielt die Trauer über den Verlust des geliebten Menschen nicht länger aus.

Matthäus 17:20

Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen: Um eures Unglaubens willen. Denn wahrlich ich sage euch: So ihr Glauben habt wie ein Senfkorn, so mögt ihr sagen zu diesem Berge: Hebe dich von hinnen dorthin! so wird er sich heben; und euch wird nichts unmöglich sein.

Der 26-jährige D. Adams nahm zu dieser Zeit an einer Studie für ein neues Antidepressivum teil. Deshalb hatte er eine ganze Schachtel dieses hochwirksamen Präparats im Haus. Um seinen Plan sich selbst zu töten in die Tat umzusetzen, nahm er alle Tabletten auf einmal.

Anschließend war er sich offensichtlich nicht mehr ganz sicher, ob seiner Entscheidung und schaffte es gerade noch die Rettungskräfte zu alarmieren. Diese rückten an und schafften Adams sofort mit lebensgefährlichen Vergiftungserscheinungen in die nahe gelegene Klinik.

Die Kraft der Gedanken

Dort wurde er augenblicklich von einem Notfall-Team betreut. Das medizinische Personal hatte alle Hände voll zu tun den jungen Mann am Leben zu halten. Sein Blutdruck sackte bedenklich weit nach unten. Zudem machte sein Körper auch ansonsten den Eindruck als wäre es jeden Moment zu Ende.

Glücklicherweise war die Notfall-Klinik dieselbe Klinik bei der Adams an der Studie zu dem Arzneimittel teilnahm. Daher konnten die behandelten Ärzte binnen sehr kurzer Zeit alle Informationen zu dem Wirkstoff erhalten, den der junge Mann in einer Überdosis zu sich genommen hatte. Das war ein glücklicher Umstand. Denn immerhin schwebte er deshalb in akuter Lebensgefahr.

Die betreuenden Mediziner der Studie konnten dem Notfall-Team auch direkt Auskunft erteilen und so das Leben von Adams retten. Sie nannten dem Notarzt den Wirkstoff… Zucker! Ja, Adams hatte Pillen aus Zucker zu sich genommen… Der Glaube versetzt Berge!

Wetten, dass Sie negative Gedanken stoppen können? Kennen Sie die Studie mit dem weißen Bären? Bestimmt hat auch schon einmal jemand in Ihrer Nähe das „psychologische“ Experiment bemüht und hat Ihnen gesagt, Sie sollen einmal nicht an einen rosa Elefanten denken.

Aus Placebo wird der Nocebo-Effekt

Adams war in der Kontrollgruppe der Studie und hatte ohne sein Wissen ein Placebo erhalten. Seine Tabletten enthielten lediglich eine leichte Dosis Traubenzucker. Er hatte also eine Überdosis völlig wirkstofffreier Placebos genommen.

Die Ärzte setzten ihn darüber in Kenntnis und sein Zustand besserte sich innerhalb von Minuten. Die Wirkung der Pillen war lediglich ein Ergebnis seines Glaubens. Er glaubte daran eine lebensgefährliche Dosis eines hochwirksamen Antidepressivums genommen zu haben. Der Glaube erschafft Berge. Und der Glaube an die negative Wirkung eines Medikaments hatte den Nocebo-Effekt zur Folge. Die Wirkung verblasste sofort als ihm klar wurde, dass er lediglich Zuckerpillen genommen hatte.

Der junge Mann der eben noch medizinisch belegt in Lebensgefahr schwebte, verließ nach einigen Minuten putzmunter die Klinik. Nun ja, einen kleinen Abstrich musste er an seiner Verfassung doch machen. Liebeskummer hatte er sicher noch immer.

Allerdings ist das noch nicht die drastischste Form einer belegten Nocebo-Wirkung. Bernard Lown  (  amerikanische Kardiologe und Friedensnobelpreisträger) schildert in seinem Buch “ Die verlorene Kunst des Heilens“ den Fall einer Patientin.

Der Nocebo-Effekt

Der Nocebo-Effekt ist die negative Seite des Placebo-Effekts. Er beschreibt beispielsweise die negativen Auswirkungen von Heilmitteln ohne Wirkstoff. Auch die negativen Folgen der Beipackzettel von Medikamenten fallen darunter.

Nocebo kommt aus dem Lateinischen und bedeutet “ ich werde schaden“.

Der Nocebo-Effekt ist eine ernste Sache

Mrs. S. kam seit 30 Jahren zur kardiologischen Ambulanz. Sie hatte aufgrund einer Vorerkrankung eine Narbe an einer Herzklappe, der Trikuspidalklappe. Ist diese Klappe beeinträchtigt, kann sich das Blut in der Leber und dem Bauchraum stauen. Die Lungen sind davon unbeeinträchtigt.

An dem Tag, an dem sich das folgende Drama abspielte, führte der Chefarzt seine Visite etwas hektischer durch als gewöhnlich. Von seinen Assistenzärzten umgeben ließ er sich zu einer folgenschweren Bemerkung hinreißen.

Er bemerkte kurz, dass Mrs. S. wohl ein klassischer Fall von TS sei. Daraufhin verließ er gefolgt von den meisten seiner Ärtzte den Raum. Am Abend war Mrs. S. tot.

Sie hatte vorher noch Bernhard Lown, er war einer der Assistenzärzte anvertraut „das ist das Ende“. Sie hatte TS als „terminale Situation“ verstanden. Und auch die Beteuerungen von Lown, das es Trikuspidalklappen-Stenose bedeutet, konnten sie nicht davon abbringen.

Er forderte daraufhin den Chefarzt auf dieses Missverständnis dringend aufzuklären. Denn der Zustand von Mrs. S. verschlechterte sich zusehends. Als der Chefarzt am Abend kommen konnte, war die Patientin schon gestorben. Sie starb an einem Lungenödem. Und das, obwohl die Lunge bei einer Trikuspidalklappen-Stenose nicht beeinträchtigt werden.

Nach Aussage von Lown starb die Frau schlichtweg an ihren negativen Erwartungen. Sie erlag einem drastischen Nocebo-Effekt. Ihre Einbildung hatte sie getötet.

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Informationen aus dem Netz

Quelle: http://www.ghpjournal.com/article/S0163-8343(07)00011-4/fulltext

WDR: Der Nocebo-Effekt im Beipackzettel