Ideomotorische Signale in der Selbsthypnose

Was sind ideomotorische Signale? Diese Frage wird im Zusammenhang mit Selbsthypnose sehr oft gestellt. Und wenn die Interessierten dann irgendwann erfahren, was das für Signale sind taucht gleich die nächste Frage auf. Welchen Nutzen habe ich davon in der Selbsthypnose. Wir werden beiden Fragen nachgehen. Zunächst kümmern wir uns darum, was ideomotorische Signale überhaupt sind. Lesezeit: 4 1/2 Minuten
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Was sind ideomotorische Signale?

Die Selbsthypnose-Anleitung

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Etwas weniger aufregend hört es sich an, wenn wir von dem ideomotorischen Effekt reden. Dieser Effekt wird auch oft Carpenter-Effekt genannt. Der Effekt ist nach William Benjamin Carpenter benannt, der ihn 1852 zum ersten Mal dokumentierte. Und bis heute ist dieses Phänomen in zahlreichen Studien belegt und noch genauer dargestellt worden, mit moderner Messtechnik. Carpenter hat bei seinen Experimenten noch mit seinem Tastsinn gearbeitet.

Es geht dabei um automatische Bewegungen. Genauer gesagt, es geht um die Tendenz unseres Gehirns eine gesehene Bewegung im eigenen Körper zu aktivieren. Die Muskulatur wird in den Zustand versetzt die gesehene Bewegung ausführen zu können. Derselbe Effekt tritt ein, wenn wir an eine Bewegung denken. Allerdings ist die Wirkung beim Beobachten etwas stärker.

Wenn Du Dir also eine Bewegung vorstellst, lässt sich am Muskel eine Aktivierung feststellen. Der Muskel wird vom Gehirn angesprochen. Bei den ideomotorischen Signalen bleibt diese Aktivierung dann allerdings unter der Wahrnehmungsschwelle. Das heißt, Du hast das Gefühl, der Muskel bewegt sich von allein.

Ideomotorisch ohne Mystik

Der ideomotorische Effekt ist also der Grund für unwillkürliche und unbewusste Bewegungen. Dafür brauchen wir keine Mystik und keine okkulten Praktiken. Der Effekt hat seinen Ursprung vermutlich in den Spiegelneuronen. Diese Neuronen spiegeln in unserem Hirn das Verhalten von unseren Mitmenschen.

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Wenn wir in unserer Steinzeithöhle am Lagerfeuer zusammensitzen und ich nehme wahr, dass mein Sippenkollege zu einer Waffe greift, ist es hilfreich, wenn ich das auch tue. Und noch ein Zusatz, es ist sehr hilfreich, wenn ich es schnell tue. Und dafür sorgen die Spiegelneuronen. Denn diese kleinen Nervenzellen aktivieren in meinem Körper die Muskulatur, die ich brauche, um zu meiner Waffe zu greifen.

Unser Hirn ist darauf trainiert gesehene oder gedachte Bewegungen im Anschluss durchführen zu können. Deshalb werden die Muskeln schon mal aktiviert, wenn wir nur an die Bewegung denken. Es geht in der Folge schneller.

Auf diesem Mechanismus bauen ideomotorische Signale auf. Wenn wir uns in einem entspannten Zustand über eine Bewegung nachdenken, findet sie anschließend statt. Und oft geschieht dieses Nachdenken eben ohne, dass es uns bewusst ist. Keine Mystik!

Ideomotorische Signale im Selbsttest

Motivation durch Selbsthypnose

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Du kannst diesen Effekt auch an Dir selbst beobachten. Damit schlagen wir gleich jede Menge Fliegen mit einer Klappe. Die erste ist: Du spürst es an Dir selbst. Das wusstest Du schon, wenn Du bis hierhin gelesen hast. Die zweite (Fliege) ist: Du merkst selbst, dass es nix okkultes und keine Mystik dafür braucht. Und als Bonus kannst Du dann mit diesem Erlebnis einige Spiele aus dem Okkulten erklären. Denn auf diesem Effekt beruht beispielsweise das berühmte Ouija-Brett.

So, jetzt zu unserem kleinen Experiment. Du brauchst dafür noch ein kleines Utensil. Vielleicht hast Du ohnehin schon irgendwo ein kleines Pendel in einer Schublade. Falls Du kein Pendel hast, basteln wir schnell eines. Nimm irgendeinen Faden und binde ein kleines Gewicht dran. Fertig. Wenn Du jetzt das andere Ende des Fadens zwischen Daumen und Zeigefinger hältst und kannst mit dem Gewicht schwingen, dann hast Du ein Pendel.

Unbewusste Bewegungen

Halte die Hand ganz ruhig. Die Finger sind völlig bewegungslos. Du hältst das Pendel zwischen Daumen und Zeigefinger völlig still. Es pendelt nichts, weder das Pendel noch Deine Finger (wäre ohnehin schwierig). Das war der erste Schritt.

Nun kommt der zweite. Stell Dir vor das Pendel würde jetzt kreisen. Mal Dir das schön aus. Während Du das Pendel völlig ruhig hältst und Du die Finger stillhältst, malst Du Dir aus, wie das Pendel eine kreisende Bewegung ausführt. Schau dabei ruhig Deine Finger an.

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Und wenn alles gut läuft… bewegt sich das Pendel. Deine Finger sind immer noch bewegungslos (zumindest sieht es aus) und das Pendel kreist. Daran ist nichts Geheimnisvolles. Dein Gehirn hat die Muskeln aktiviert, die zum Kreisen notwendig sind. Und diese minimale Aktivierung reicht aus um das Pendel zu bewegen. Das sind ideomotorische Signale.

Ideomotorik – Nur die Muskeln

Möglicherweise kennst Du auch einen anderen Effekt aus Deinem Alltag. Der Kohnstamm-Effekt (Oskar Kohnstamm, Neurologen und Psychiater, 1871–1917) ist jedem bekannt, der sich schon einmal mit isometrischem-Training beschäftigt hat. Dabei stellt man sich beispielsweise seitlich an eine Wand und drückt nun den Arm mit aller Kraft dagegen. Wenn man anschließend den Arm lockert, zeigt er die Neigung sich zu heben. Dabei kommt es dem Trainierenden vor als würde sich der Arm von ganz alleine heben.

Bei beiden Effekten wird sehr schön deutlich, dass sich unsere Muskulatur auch ohne unsere bewusste Wahrnehmung bewegen kann. Auch das Zucken kurz vorm Einschlafen ist ein Zeichen dafür.

Ideomotorische Signale in der Selbsthypnose

Wir sehen also, dass es keine Mystik braucht, um über ideomotorische Signale nachzudenken. Das wäre auch sehr schade, denn sie sind auch bei der Selbsthypnose außerordentlich hilfreich. Sie lassen sich beispielsweise sehr wirkungsvoll einsetzen, um das Vorgehen während der Trance zu bestimmen.

Wie Du diese unwillkürlichen Bewegungen in Deine Selbsthypnose einbauen kannst, erfährst Du im nächsten Teil dieser kleinen Serie. Darin beschäftigen wir uns mit dem Einbauen der Technik, verschiedenen Anwendungsbereichen und dem Übertragen in den Alltag.

Ideomotorische Signale sind in einem hypnotischen Zustand eine prima Ergänzung. Und dabei sind sie sehr einfach in der Anwendung. Diese Technik nutzen auch einige Athleten, die ich betreue, mit erstaunlichem Erfolg. Und nachdem wir in diesem Beitrag mit möglichen Vorurteilen aufgeräumt haben und geklärt haben, worum es geht, legen wir im nächsten Teil mit der Praxis los.

Wir setzen ideomotorische Signale während der Selbsthypnose ein.

 

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